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San Bernardino Radtour 2003

Reisebericht

1. Etappe: Konstanz - B├╝chen (55,3 km)

Nach einer langen Nachtdienstwoche ging es voller Vorfreude auf die bevorstehende Tour mit dem Rad Richtung Hauptbahnhof. Als ich am Bahnhof ankam war es 9 Uhr morgens und ich hatte noch 30 min. Zeit. Langsam schob ich mein Rad + Anh├Ąnger auf den Bahnsteig. War gar nicht so leicht mit dem langen Gespann die Menschenstr├Âme zu kreuzen.
Der Zug fuhr heute mal ohne Versp├Ątung ab. Au├čer mir war noch ein anderer Radler im Abteil. Ich stellte mein Rad ab und ging in das benachbarte Abteil um nicht die ganze Zeit auf dem Notsitz neben meinem Rad sitzen zu m├╝ssen. Irgendwo bei Karlsruhe schlief ich dann ein...

Als ich aufwachte war der Zug schon am Ufer des Bodensees Richtung Konstanz unterwegs. Ich packte meine Sachen zusammen und bereitete mich auf den Ausstieg vor. Zuerst schaffte ich das Rad, dann den H├Ąnger nach drau├čen. Nachdem alles angebaut war machte ich mich auf den Weg. Diesen fand ich sofort, denn ich erinnerte mich an unsere Bodensee Radtour und erkannte den Bahn├╝bergang in der N├Ąhe der Grenze sofort wieder.
Den Bodenseeradweg fand ich nun wie von selbst. Hier direkt am Ufer wehte ein kr├Ąftiger Wind von der Seite und zeitweise auch von vorne. Ich gab mir M├╝he so schnell wie m├Âglich voran zu kommen, denn ich war immer noch ziemlich m├╝de vom Nachtdienst. Da ich die Landschaft hier schon kannte beschr├Ąnkte ich mich aufs Kilometerfressen. In Romanshorn machte ich eine kleine Pause. Der Wasserstand des Bodensees war, auf Grund des hei├čen Sommers, ziemlich niedrig.
Nach etwas mehr als 2 Stunden erreichte ich Rohrschach. In einem Supermarkt kaufte ich mir etwas f├╝r das Abendbrot ein. Hier wollte ich mir einen Campingplatz suchen. Etwas weiter in Rheineck - B├╝chen fand ich dann einen kleinen CP der aber anscheinend nur f├╝r Dauercamper ge├Âffnet war. Der Besitzer war leider nicht da. In einem Schaukasten fand ich dann den Hinweis, das Radler diese Telefonnummer anrufen sollten. Gut das es HandyÔÇÖs gibt... Ich rief den Besitzer an und er erlaubte mir f├╝r eine Nacht auf der Liegewiese des Pools zu zelten. Das war eine gute Nachricht, denn ich war saum├╝de und es d├Ąmmerte auch schon langsam. Ich baute mein Zelt auf und fing an mir etwas zu kochen. Kurz darauf kam der Besitzer zur├╝ck. Ich bezahlte 10SFR und bekam noch 2x1SFR M├╝nze zum Duschen zur├╝ck. Die sanit├Ąren Einrichtungen waren superneu und supersauber. Auch Waschmaschine und Trockner fehlten nicht.
Nach einer ausgiebigen hei├čen Dusche (1SFR gen├╝gten) ging es bald ins Bett.

2. Etappe: B├╝chen - Bad Ragaz (81,4 km)

Heute sollte mich mein Weg tiefer in die Schweiz f├╝hren. Da ich am Morgen irgendwie nicht richtig in die G├Ąnge kam, bin ich erst um 11 Uhr losgefahren. Am Rhein entlang fuhr ich in die Berge. Das Wetter war toll und so konnte ich die wundersch├Âne Landschaft genie├čen. Der Radweg war wirklich sehr gut ausgeschildert, verfahren war kaum m├Âglich. Meine Beine lie├čen mich nicht im Stich und so fuhr ich Kilometer um Kilometer in z├╝gigem Tempo. Auch die Qualit├Ąt der Radwege war hervorragend, selten gab es kurze Abschnitte mit Schotter. Es war kaum zu glauben, ich war in der Schweiz, um mich herum hohe Berge, aber der Weg war absolut flach. Heftigste Steigung war mal eine Auffahrt auf eine Br├╝cke, sonst eher holl├Ąndische Verh├Ąltnisse.
In Buchs kaufte ich mir mein Mittagessen ein und fuhr ├╝ber eine Br├╝cke ├╝ber den Rhein in das F├╝rstentum Liechtenstein. Immer am Rhein entlang erreichte ich ziemlich schnell Vaduz. Von hier aus hatte ich einen sch├Ânen Blick auf den Sitz des F├╝rsten. Direkt am Stadion machte ich meine Mittagspause. Apropos Stadion, die Prokopffussballplatzquote
© im F├╝rstentum war fast so hoch wie auf den Westm├Ąnner Inseln :-)
Ein Blick auf die Karte verriet mir das ich schon fast das halbe F├╝rstentum durchradelt hatte. Dabei war ich doch erst ca. 20 min unterwegs...
Nach der Pause ging es weiter. Ich kam an einer Fu├čg├Ąngerbr├╝cke (neben einem Heliport) vorbei und ├╝berlegte, ob ich schon hier auf die andere Seite des Ufers wechseln sollte ( :-)) ) Ich entschied mich noch etwas weiterzufahren. Nach ca. 1km ├╝berholte mich ein ├Ąlterer Herr auf seinem Moped und sagte mir das der Weg in wenigen Kilometern endete und ich dort nicht weiterfahren k├Ânne. Das war wirklich nett! Ich drehte nat├╝rlich um und fuhr dann doch ├╝ber die Fu├čg├Ąngerbr├╝cke.
Nach Bad Ragaz war es nicht mehr weit. Den sch├Ânen im Wald gelegenen Campingplatz fand ich sofort. Ich suchte mir ein Pl├Ątzchen und baute mein kleines Zelt auf. Beim Abspannen passierte dann das Ungl├╝ck. Mit einem Mal riss hinten am L├╝fter das Zelt auf gut 20cm ein! Na super!!! 2 Tage unterwegs und schon das Zelt gefetzt. Ich ├╝berlegte wie ich das nun am Besten reparieren k├Ânne und entschied mich dazu es mit Gewebeklebeband auf beiden Seiten zu kleben. Tats├Ąchlich hielt es auch beim Abspannen dem Zug stand. Das Abspannen ist konstruktionsbedingt unbedingt notwendig, sonst liegt das Au├čenzelt auf dem Innenzelt auf. Noch mal Gl├╝ck gehabt, die Tour konnte weitergehen!

Ich fuhr mit dem Rad in die Stadt um einzukaufen. Erst beim Bezahlen merkte ich das mir der CP Besitzer falsch rausgegeben hatte und so hatte ich nur 5SFR f├╝r die ├ťbernachtung bezahlt (eigentlich 15SFR). Da ich den ÔÇťreduziertenÔÇŁ Preis f├╝r gerechtfertigt ansah (Radler mit 1-Mann Zelt kostet sonst soviel wie Auto mit 4-Mann Zelt) sagte ich auch nichts. Bad Ragaz ist ein sehr sch├Ânes St├Ądtchen das sehr viel Wert auf Kultur legt. So stehen in der Stadt viele verschieden Skulpturen und andere Werke verschiedener K├╝nstler.

3. Etappe: Bad Ragaz - Andeer (69,2 km)

Heute war es immerhin erst 10 Uhr als ich mich auf meinem Rad auf den Weg machte. Mein erstes Ziel heute war Chur. Der Weg bis dorthin verlief weiterhin flach und ich kam trotz Gegenwind gut voran. In Chur habe ich den Veloland Radweg Nr.6 ziemlich schnell gefunden. (Tipp: Wenn man mal den Faden verloren hat, an den Bahnh├Âfen ist der Radweg meistens beschildert) Auf dem Weg durch Chur verlor ich den Radweg einige Male, weil in der Stadt einfach zu viele Dinge auf einen wirken und da geht ein kleines Schild schon mal unter. Da ich aber immer fr├╝hzeitig wieder umkehrte fand ich den Weg schnell wieder. Kurz nach Chur dachte ich, ich h├Ątte mich schon wieder verfahren, f├╝hrte mein Weg doch ├╝ber den Hof des Fuhrparks der schweizer Armee. Doch zum Gl├╝ck sah ich am Ende des Hofes die kleinen Radwegschilder...
Nach kurzer Zeit kam dann die erste nennenswerte Steigung auf mich zu. Ein Schild auf dem Stand ÔÇť100m in 1kmÔÇŁ warnet mich schon vor. Die ersten Meter gingen ja noch, aber dann war schlu├č. Die Steigung war ziemlich heftig, aber nicht diese, sondern eher der schlechte Untergrund, zwangen mich zum Schieben. Das sollte sich auch den Rest der Steigung nicht ├Ąndern. Oben angekommen ging es ein ganzes St├╝ck nun ├╝ber dem Rhein weiter Richtung Thusis. Hier im Wald war es recht frisch und ich verschob meine geplante Pause auf den n├Ąchsten sonnigen Platz. Immer an einer stelen Felswandvorbei ging es relativ eben gut voran. An einer Stelle mit ├╝berh├Ąngenden Felsw├Ąnden machte ich eine kleine Photopause. An einer sch├Ânen Wiese machte ich dann meine wohlverdiente Mittagspause.

Der Weg bis nach Thusis war nach einer kurzen aber knackigen Abfahrt leicht ansteigend. Die Landschaft war wirklich wundersch├Ân, immer wieder fuhr ich an Burgen und T├╝rmen vorbei. In Thusis habe ich mich dann f├╝r den ersten richtigen Anstieg noch mal mit Getr├Ąnken eingedeckt. Die Sonne schien heute sch├Ân vom Himmel und ich g├Ânnte mir noch eine kleine Pause bevor es losgehen sollte. Der Einstieg zur Via Mala lag direkt vor mir und ich freute mich schon sehr darauf sie zu durchfahren. Kurz nach dem Abzweig kam auch schon der erste Tunnel. Noch nie bin ich vorher mit dem Rad durch einen Tunnel gefahren... Schon ein komisches Gef├╝hl, wenn man die Autos schon h├Ârt obwohl sie noch weit weg sind. Durch dieses mulmige Gef├╝hl trat ich fester in die Pedale, aber ich musste mit meinen Kr├Ąften haushalten und so zwang ich mich wieder etwas lockerer zu fahren. Nach dem dritten Tunnel sah ich einen Polizisten auf der Fahrbahn den Verkehr regeln, da er mich durchwinkte dachte ich an nichts b├Âses. Als ich dann um die Kurve bog sah ich dann was los war. Dutzende Autos des SWR standen hier herum und verdeckten meine sch├Ânen, hart erk├Ąmpften Fotomotive! Als ich fragte was hier denn gerade gedreht werden w├╝rde und die Antwort ÔÇťStra├čen der Lieder mit Gotthilf FischerÔÇŁ war, gab es nur einen Gedanken... Schnell weg hier!!!
Weiter ging die Stra├če stetig bergauf, doch die Steigungen waren moderater als ich dachte und so kam ich noch relativ fit in Andeer an. Am Brunnen machte ich erstmal eine Pause. Schon die ganze Zeit habe ich mit dem Gedanken gespielt noch weiter bis Spl├╝gen zu fahren. Das Wetter war so sch├Ân und wer wei├č wie es morgen aussehen w├╝rde... au├čerdem kamen morgen noch die H├Âhenmeter zum Pass hinzu. Dagegen sprachen die noch zu fahrenden 16km und 500Hm. Jetzt f├╝hlte ich mich noch fit, aber in 5-10km wer wei├č wie es dann aussieht... Ich war hin und her gerissen, einmal stieg ich auf um weiterzufahren, dann stieg ich wieder ab. Nach 30min beendete ich den Bl├Âdsinn und entschied mich f├╝r die strikte Einhaltung der Tourplanung: Ich blieb! Der Campingplatz war gleich um die Ecke und der Betreiber wies mir meinen Platz zu. Direkt neben einem gro├čen Tisch konnte ich mein Zelt aufbauen. Sogleich gesellte sich ein Dauercamper, ein ├Ąlterer Schweizer, zu mir und verwickelte mich in ein Gespr├Ąch. Dabei hatte er mich in sein Herz geschlossen und nun wurde ich von ihm versorgt wie ein eigener Enkel. Jede Stunde bekam ich eine Kanne hei├čes Wasser gebracht, f├╝r Kaffee... dann bekam ich einen Klappstuhl, damit ich mich nicht auf den Boden setzen musste... und am Abend, als es d├Ąmmerte bekam ich seine Zeltlaterne, die ich trotz Protest bis morgen fr├╝h behalten sollte! All das sind nur wenige Dinge und doppelt so viele habe ich h├Âflich aber immer deutlich werdender abgelehnt. Aber es hat ihm Freude bereitet und deshalb war das auch in Ordnung. Er hat bestimmt gedacht: Der arme Kerl, hat kein Auto um in Urlaub zu fahren, dem mu├č ich was Gutes tun...

Au├čerdem hat er mich dazu gebracht, etwas zu sagen, an das ich immer wieder denke und was mich bis heute noch gl├╝cklich macht. Als er mich nach meiner Route fragte und ich ihm von der Umrundung der Seen und meinem Endziel Bergamo erz├Ąhlte, fragte er mich warum ich denn so fahren w├╝rde, das ist doch ein Umweg! Und ganz selbstverst├Ąndlich ohne zu ├╝berlegen und mit einem L├Ącheln im Gesicht sagte ich: Ist doch egal, ich habe Zeit...

4. Etappe: Andeer - Bellinzona (88,4 km)

So, endlich war der Tag gekommen an dem sich der Wunsch mit dem Rad die Alpen zu ├╝berqueren erf├╝llen sollte. Da ich ja heute Gro├čes vorhatte war ich schon um 8:30 Uhr fertig mit dem Zusammenpacken. Mein Campingnachbar hatte mich am Morgen wieder mit hei├čem Wasser f├╝r den Kaffee versorgt und so konnte ich alles schneller verpacken.
Ab Andeer ging es gleich ordentlich bergauf. Ich trat ruhig in die Pedale um nicht schon hier an den ersten Serpentinen hoch nach Spl├╝gen meine Kraft allzu stark zu strapazieren. Vorbei am Einstieg zur Roflaschlucht ging es stetig bergauf. Die Steigungen waren moderat und so kam ich besser voran wie gedacht. Ich genoss die Landschaft und das sch├Âne Wetter. Hin und wieder ├╝berholten mich ein paar Rennradler. So spulte ich Serpentine um Serpentine ab. Mal war es wieder etwas flacher, oder es ging kurz bergab, aber trotzdem kam H├Âhenmeter um H├Âhenmeter dazu. Pl├Âtzlich stand ich an dem Bergsee an dessen anderem Ende Spl├╝gen liegt. Da war ich wirklich ├╝berrascht, das ging schnell und war kaum anstrengend. Der Radweg f├╝hrte am linken Ufer des Sees vorbei. Dieser Abschnitt war in einem sehr schlechten Zustand. Auf einem klassischen Trekkingrad w├Ąre dieser Abschnitt sicherlich problematisch geworden. Ich ├Ąrgerte mich, das ich nicht die Stra├če weiter gefahren bin, denn diese war kaum befahren und landschaftlich viel sch├Âner. Am Ende des Sees ging es nochmals kurz bergauf und schon war ich in Spl├╝gen (ca.1500m ├╝.NN). Die Vegetation war hier schon ver├Ąndert, die Baumgrenze an den H├Ąngen schon sehr nah. Ich machte eine Kurze Pause und a├č einen M├╝sli Riegel. Die Sonne hielt mich sch├Ân warm und ich ├Ąrgerte mich das ich meine lange Hose an hatte. Nun ging es zeitweise auf der Stra├če dann wieder auf Feldwegen weiter. Nufenen und Hinterrhein waren schnell erreicht. Die kleinen D├Ârfer waren sehr sch├Ân. Es gab viele alte Bauernh├Ąuser zu bestaunen. Praktisch fand ich auch das in jedem Dorf, in der Mitte ein Brunnen steht. So braucht man sich keine Sorgen ├╝ber die Wasserversorgung zu machen, bzw. muss man nicht 3L Vorrat mitschleppen. Auch am Anstieg zum Pass kommt nach knapp etwas ├╝ber der H├Ąlfte ein Brunnen. Von Hinterrhein aus sieht man schon den Einstieg zum Pass. Ich atmete noch mal tief durch und wollte dann mein Abenteuer beginnen. Doch mein Magen knurrte pl├Âtzlich. Mist! Ich hatte ganz vergessen eine Mittagspause einzulegen! Ich ├╝berlegte kurz was ich denn nun machen sollte... Fahr ich weiter, bekomme ich unterwegs vielleicht richtig Hunger und die Kraft verschwindet, esse ich jetzt, liegt mir das Essen im Magen und das Blut verschwindet im Magen-Darm Bereich und nicht in den Beinen wo es sein sollte... Ich ├Ąrgerte mich sehr dar├╝ber, nicht an das Essen gedacht zu haben. Ich entschied mich jetzt zu Essen und danach eine Verdauungspause zu machen. Ich setzte mich ins Gras a├č zwei Br├Âtchen und genoss die Landschaft. Fast gegen├╝ber sah man einen Gletscher und die anderen Bergh├Ąnge waren schon rot verf├Ąrbt. Der Herbst war hier schon in vollem Gange. Als ich dann loswollte lie├č ich erst eine Gruppe von Harley Fahrern passieren. Noch Minuten sp├Ąter h├Ârte ich sie...

Dann ging es los... Bed├Ąchtig trat ich in die Pedale. Kurbelte mich ganz ruhig im vorletzten Gang Serpentine um Serpentine nach oben. Zum Zeitvertreib z├Ąhlte ich die Serpentinen. Es waren 17 St├╝ck, glaube ich zumindest, bis ich an zwei kleinen H├Ąusern vorbeikam. Hier war ein Brunnen und eine Unterstellm├Âglichkeit. In der Ferne sah man einen Wasserturm und ein Reservoir. Endlich hatte man ein Ziel vor Augen. Ich arbeitete mich immer weiter vor, aber jeder Kilometer zog sich nun ewig in die L├Ąnge. Die Steigung fing nun langsam an in den Beinen zu bei├čen. Ich war froh als ich am Turm ankam. Ich hielt kurz an um etwas zu trinken. Es konnte nicht mehr weit sein bis zum Pass, das verschaffte mir neue Motivation und ich trat noch mal richtig in die Pedale. Nach einer Kurve sah ich dann die Hospiz, welche direkt am Passschild steht. Nur noch wenige Meter!!! Ich kam mir vor wie Jan Ulrich kurz vor einem Etappensieg in LÔÇÖAlpe dÔÇÖHuez. Am liebsten h├Ątte ich wie ein Sieger die Arme hochgerissen, aber ich kann ja nicht freih├Ąndig fahren ;-)  Ich hatte es geschafft! Ich passierte den h├Âchsten Punkt der Tour mit 2066 m ├╝.NN. Ich fotografierte die eindrucksvollen Berge um mich herum. Leider war hier oben das Wetter bald nicht mehr allzu sch├Ân, aber das machte mir nichts aus. Hauptsache ich war oben! Ein Rennradler machte dann das Passfoto von mir. Ich setzte mich hin schaute ├╝ber den kleinen See und genoss den Augenblick des Triumphes.
Nach einer halben Stunde zog ich meine Jacke an und begann das n├Ąchste Abenteuer: Die Abfahrt! Da freute ich mich schon den ganzen Tag drauf und ich sollte nicht entt├Ąuscht werden. Total ├╝berw├Ąltigt war ich von dem Blick ins Tal und auf das was mich nun erwartete. Leider war es etwas diesig und so konnte man nicht das ganze Tal entlang schauen.
Rei├čverschluss hoch, Brille auf und ab gingÔÇÖs! Man war das geil!!! Ich preschte die Serpentinen hinab. Ich kam mir vor als s├Ą├če ich auf einem Motorrad. Die Kurven kurz anbremsen und dann reinlegen. Dank des H├Ąngers ging das hervorragend. Ich sp├╝rte kaum eine Einschr├Ąnkung beim Fahren durch das Gep├Ąck, ganz im Gegenteil er machte mich noch schneller als eh schon war. Vor mir fuhr nun ein etwas unerfahrener Serpentinenfahrer. Es ├Ąrgerte mich kurz das er mich aufh├Ąlt, aber beim anbremsen der n├Ąchsten Kurve ├╝berholte ich ihn. Das war echt der Hit! Ich ├╝berhole ein Auto mit dem Rad! Daran k├Ânnte ich mich gew├Âhnen...
Dann erreichte ich San Bernardino Dorf. Ein kleines sch├Ânes, aber vertouristetes Bergdorf. Nach San Bernardino geht es wieder bergauf, aber nur f├╝r ein kurzes St├╝ck und ging es wieder abw├Ąrts! Auf einer Geraden, ich war gerade gut in Fahrt, kam ich dem Auto vor mir immer n├Ąher. Kurz entschlossen ├╝berholte ich dieses mit gut 65km/h. So konnte es weitergehen... :-))
Das Tal fiel wie Treppenstufen ab. Es gab sehr steile Passagen mit Serpentinen, danach immer wieder flache St├╝cke. Nach ca. 20km war ich unten. Von 2066m ├╝.NN auf 250m ├╝.NN hinunter. Hut ab, vor allen die von S├╝den her hier rauf fahren.
Nun ging es immer im Tal entlang Richtung Bellinzona. Vorbei an Kirchen und Kl├Âstern auf guten Wegen. An einer Autobahntankstelle kaufte ich mir noch etwas f├╝r das Abendessen. Jetzt wurde ich das erste Mal auf italienisch angesprochen. Mein hilfloses Gesicht verriet der Verk├Ąuferin das ich sie nicht verstanden hatte und sie schaltete einfach so um auf deutsch. Der Weg zog sich jetzt ziemlich und die Landschaft war jetzt auch weniger reizvoll. Meine Beine wurden auch langsam schlapp und ich w├╝nschte mir einen Campingplatz herbei. Bellinzona war aber auch nicht mehr weit. Die letzten Kilometer vor Bellinzona ├Ąrgerte ich mich sehr ├╝ber den ausgeschilderten Weg. Die Qualit├Ąt war so schlecht das man mit einem Tourenrad hier nicht fahrend durchgekommen w├Ąre. Tiefe Schlagl├Âcher, tiefer Sand, Furchen von Traktorenreifen quer zur Fahrbahn, usw. Ich dachte mir die w├╝stesten Beschwerde E-Mails aus die ich nach meiner Ankunft zu Hause zu Veloland Schweiz schicken wollte. Mit etwas Abstand betrachtet muss man Veloland Schweiz ein Riesen Kompliment f├╝r die Ausschilderung und Infos an der Strecke machen! Eine Detailkarte war den ganzen Weg ├╝ber nicht von N├Âten.
In Bellinzona f├╝hrt der Radweg direkt am CP vorbei. Ich baute mein Zelt auf, kochte etwas und lies meinen erfolgreichen Tag noch einmal Revue passieren.

5. Etappe: Bellinzona - Baveno (75,8 km)

Die Etappe von gestern sp├╝rte ich deutlich in meinen Beinen. So lie├č ich es langsam angehen und rollte gem├╝tlich durch Bellinzona. Da ich nicht genau wusste wie der Radweg verl├Ąuft, entschied ich mich dazu ├╝ber die Stra├če nach Locarno zu fahren.

 Leider war das Wetter heute nicht so sch├Ân. Die Wolken hingen tief, aber wenigstens regnete es nicht. Die Stra├če Richtung Locarno war doch recht stark befahren und zudem ziemlich h├╝gelig. Kurz vor Locarno suchte ich dann wieder den Radweg. Es dauerte nicht lange und ich fand ihn wieder. Der Radweg verlief flach an einem Flu├č entlang. Nach kurzer Zeit war ich dann auch schon in Locarno. Der Fahrradweg teilte sich auf. Einmal am Ufer entlang und einmal durch die Stra├čen der Stadt, aber auch in Ufern├Ąhe. Ich entschied mich f├╝r letzteres, da am Ufer unendlich viele Fu├čg├Ąnger unterwegs waren und an Fahrradfahren kaum zu denken war.
An der Anlegestelle der Boote machte ich ein kleines P├Ąuschen. Ich hatte Gl├╝ck,denn es war genau 12Uhr und die Glocken der Stadt stimmten zu einem sch├Ânen Konzert an. Hier traf ich auch zwei andere Reiseradler, die ersten auf der Tour. Ansonsten sieht man hier ├╝berall, das hier das Geld zu Hause ist. Lauter Reiche und Sch├Âne oder welche die es gerne w├Ąren...
Weiter ging es an einem Planetenweg entlang Richtung Ascona. Ich fuhr jetzt einfach nach Gef├╝hl durch die Stra├čen, denn die Beschilderung war jetzt ziemlich l├╝ckenhaft und das Ufer war auch kaum noch zu sehen. Auch Ascona hat einen sch├Ânen Stadtkern, meiner Meinung nach sch├Âner als in Locarno.
Jetzt fuhr ich direkt am Ufer des Lago Maggiore entlang. Der Protz hier am Schweizer Ufer war fast unertr├Ąglich. Die Villen die unterhalb und ├╝berhalb der Stra├če am steilen Ufer lagen hatten keine Treppen, sondern ├╝berall standen kleine Aufzugsh├Ąuschen herum. Die entsprechenden Karossen standen nat├╝rlich gleich daneben. Der Verkehr hielt sich auf Grund des schlechten Wetters in Grenzen. Die pl├Âtzliche H├Ąufung von Tankstellen deutete mir an das die italienische Grenze unmittelbar bevorstand. Ein paar Kurven weiter war es dann soweit: Ich war in Italien, immerhin das erste Mal! Schlagartig ver├Ąnderte sich das Ufer. Es war zwar noch recht vornehmen, aber lange nicht so wie in der Schweiz.
Das Wetter wurde immer schlechter und der Verkehr immer heftiger. Durch die tiefen Wolken konnte ich noch nicht einmal das andere Ufer erkennen. So zogen sich die Kilometer ziemlich. Ab Verbania beginnt es dann zu regnen. Zum ersten Mal kommt meine neue Regenausr├╝stung zum Einsatz! Nach ein paar Kilometern kommt ein Campingplatz der von au├čen ganz nett aussieht. Ich wollte zwar noch etwas weiterfahren, aber im Regen hatte ich dann auch keine Lust mehr.
Die Frau im B├╝ro war ziemlich m├╝rrisch und megalangsam. Ich konnte mich hinstellen wo ich wollte und so entschied ich mich f├╝r einen Platz unter dicht zusammen gewachsenen Ahornb├Ąumen, die das defekte Zelt wie ein Dach sch├╝tzten. Da am heutigen Sonntag unterwegs nichts zum Essen aufzutreiben war entschied ich mich in die CP-Pizzaria zu gehen. Die Wettervorhersage f├╝r Morgen sagte sch├Ânstes Wetter voraus, doch das konnte ich mir zum besten Willen nicht vorstellen...

6. Etappe: Baveno - Germignaga (81 km)

Als ich an diesem Morgen aus dem Zelt krabbelte, dachte ich, ich sehe nicht richtig. Sonne!!! Strahlender Sonnenschein! Wie war das denn m├Âglich? In der Nacht hatte ich von Wind nichts mitbekommen und ich dachte das in den Bergen die Wolken sich so richtig festbei├čen k├Ânnen. Egal! Hauptsache sch├Ânes Wetter!
Gut gelaunt fuhr ich am See entlang Richtung Stresa. Hier am s├╝dlichen Ufer des Lago Maggiore bl├╝hte der Nobeltourismus. Ein Grand Hotel im alten Stile neben dem anderen. Dementsprechend sind nat├╝rlich auch die Touris. Eine alte nette Dame sprach mich auf meine Reise an. Wir unterhielten uns etwas und ich musste immer wieder ├╝ber ihre vornehme Wortwahl schmunzeln. Hier im S├╝den gibt es auch kleine Inseln im See, die Isole Borromee, dessen Besuch sich sehr lohnen soll. Ich wollte aber weiter fahren.
Der Verkehr war jetzt ziemlich heftig, da hie├č es Augen zu und durch. Wobei ich es mir in Italien viel schlimmer mit den Fahrern vorgestellt hatte. Ich behauptete meinen Platz auf der Stra├če und alle fuhren r├╝cksichtsvoll um mich herum.
In einem kleinen Dorf ├╝berholte mich ein Rennradler. Meine Beine waren schon den ganzen Morgen in Topform und so kam es das ich den Rennradler am n├Ąchsten Berg wieder ├╝berholte! Sicherlich war er gem├╝tlich unterwegs und gab nicht alles, aber das war zu viel! Er zog im Wiegeschritt an mir vorbei und trat auch w├Ąhrend der gesamten Abfahrt kr├Ąftig in die Pedale.
In Arona ging ich in einen Supermarkt um mir etwas zu Essen f├╝r mein Mittagspicknick zu kaufen. Als ich an der Kasse stand merkte ich das ich stank wie ein nasser Fuchs! Ziemlich besch├Ąmt versuchte ich mich beim Bezahlen zu beeilen. Heute musste ich meine W├Ąsche unbedingt waschen, deshalb entschloss ich mich die Etappe etwas zu k├╝rzen um mehr Zeit und Sonne zum Trocknen der W├Ąsche zu haben.
In Angera machte ich direkt am See meine Mittagspause. Die Sonne schien warm vom Himmel herab und ich ├Ąrgerte mich das ich mich heute Morgen f├╝r die lange Radhose entschieden hatte. Dann ging es weiter. Hier am ├Âstlichen Ufer des Lago Maggiore ging die Stra├če nicht direkt am See entlang, so hatte ich nur gelegentlich mal einen Blick auf den See. Als ich an dem CP ankam an dem ich f├╝r heute Schluss machen wollte, war es mir aber doch noch zu fr├╝h. Ich entschied mich bis zum n├Ąchsten CP zu fahren. Kilometer um Kilometer fuhr ich die Stra├če entlang, aber es wollte kein CP kommen. An dem Einsiedlerhof Catharina de Grand Sasso wollte ich ein Besichtigungspause einlegen, jedoch war ausgerechnet heute wegen Renovierungsarbeiten das Gel├Ąnde geschlossen. Also ging es weiter. Am Nachmittag kam ich dann in Germignaga an. Ich baute mein Zelt auf dem CP auf und wusch gleich meine W├Ąsche. Diese h├Ąngte ich dann noch ein bisschen in die Sonne, in der Hoffnung das bis morgen trocknen w├╝rde. Beim Einkaufen in einem gro├čen Supermarkt besserte die Kassiererin meine Urlaubskasse auf, in dem Sie mir auf 50ÔéČ rausgab, obwohl ich ihr einen 20ÔéČ Schein gegeben hatte.
Nachdem ich gegessen hatte und dazu ein Frankfurter Henninger Pils, das es tats├Ąchlich im hier im Supermarkt gab, getrunken hatte, legte ich mich ins Zelt.

7. Etappe: Germignaga - Dongo (70,1 km)

Morgens um vier wurde ich von beginnendem Regen auf dem Zelt wach. Mein erster Gedanke galt der W├Ąsche! Also st├╝rzte ich aus dem Zelt und sammelte, die mittlerweile trockene W├Ąsche ein. Danach wunderte ich mich warum es denn jetzt regnete, sagte doch die Wettervorhersage Sonnenschein voraus.
Gegen 8 Uhr sch├╝ttete wie aus Eimern. Na Super! Ich evakuierte meine Sachen St├╝ck f├╝r St├╝ck unter das Vordach des Waschhauses. Dann fr├╝hst├╝ckte ich erst mal. Der Regen legte sich ein wenig, aber aufh├Âren wollte es gar nicht. Nun gut, ich zog also die Regensachen an und fuhr hinaus in den Regen.
Nachdem ich mich in Luino etwas verfranzt hatte war ich wieder auf Kurs. Durch das Tal des Flusses Tresa ging es Richtung Ponte Tresa. Da die Stra├če gesperrt war musste ich auf die parallel, auf der anderen Flussseite verlaufende, Schweizer Stra├če ausweichen. An der Grenze hielt mich dann doch tats├Ąchlich der Schweizer Z├Âllner an und fragte mich ob ich irgendwelche Waren bei mir habe??? Die n├Ąchsten Kilometer ├╝berlegte ich mir, warum sich die Schweizer und immer nur diese so wichtig tun? In Konstanz ist kein Mensch am ├ťbergang und hier mitten im Nichts sowas...
Ich war so damit besch├Ąftigt das ich mich in Ponta Tresa gegen├╝ber des Grenz├╝bergangs auf eine Bank hockte und versuchte durch Beobachtung heraus zu finden wie die Schweizer kontrollieren. Ich kam zu keinem Ergebnis...
Weiter ging es Richtung Lugano. Der Regen hatte mittlerweile aufgeh├Ârt. Kurz hinter Agno ging es noch mal etwas den Berg hoch, daf├╝r dann aber bis Lugano sch├Ân bergab. In Lugano fuhr ich erstmal zum Ufer des Luganer Sees um mich zu orientieren. An einer D├Âner Bude holte ich mir einen Schweizer D├Âner.
Noch in Lugano ging es in Serpentinen ordentlich den Berg hoch. Nat├╝rlich fing es in diesem Moment auch wieder an zu regnen. Schade das die Sicht heute wieder so schlecht war, es h├Ątte sich sicherlich gelohnt. Nun fuhr ich durch einige Tunnel. Der Adrenalin Schub und etwas R├╝ckenwind sorgten daf├╝r das ich mit 40km/h durch die Tunnels sauste. Pl├Âtzlich h├Ąuften sich wieder die Tankstellen, d.h. Italien naht. Der Schweizer Z├Âllner lies mich doch tats├Ąchlich ohne anzuhalten ausreisen, kaum zu glauben. Nach einem Tunnel kam die italienische Grenze. Der italienische Z├Âllner hob die Hand zum Zeichen das ich stehen bleiben sollte. Auch hier! Was wollen die denn??? Passoporto! War das einzige Wort was der streng schauende Z├Âllner sagte. Erst schaute er sich die Vorderseite genau an und dann die R├╝ckseite. Dann rief er pl├Âtzlich: Francoforte! Seine Miene wurde freundlicher und andere Z├Âllner kamen hinzu. Jetzt wurde ich ausgefragt..welche Route fahre ich, wo bin ich heute gestartet, wo will ich noch hin,... dazwischen klopften sie mir immer wieder anerkennend auf die Schulter! Na das war was. Hat der mich nur angehalten um zu schauen wo ich herkomme...
Wieder bestens gelaunt durch die netten Z├Âllner strampelte ich mich dem Comer See entgegen. Die Abfahrt nach Menaggio war sehr sch├Ân, aber weiterhin sehr schlechte Sicht. Die Orte hier am Comer See wirkten alle viel nat├╝rlicher/urspr├╝nglicher auf mich, als noch am Lago Maggiore. Am westlichen Ufer ging es nun Richtung Norden. Wieder durchfuhr ich Tunnel um Tunnel. Ich hatte mich jetzt dran gew├Âhnt und fand es auch nicht mehr so schlimm. Wenigstens war es trocken und etwas w├Ąrmer im Tunnel. Es dauerte nicht lange und ich kam in Dongo an. Ich entschied mich f├╝r den CP La Breva. Dieser ist nicht zu gro├č und hatte eine ├╝berdachte Fl├Ąche mit St├╝hlen und Tischen, neben dem ich mein Zelt aufbaute. Der Regen h├Ârte aber zum Gl├╝ck auf und setzte mich noch etwas an den See.
Am Abend wurde ich von einem Schweizer Ehepaar noch auf einen Kaffee in den Wohnwagen eingeladen. Die beiden hatten auch schon einige Radreisen unternommen und so sprachen wir von unseren Reisen, ├╝ber die Schweiz, ├╝ber Deutschland, ├╝ber unsere Jobs und und und. Es war wirklich ein sehr unterhaltsamer Abend! (Danke noch mal!!!)

8. Etappe: Dongo - Garlate (64,6 km)

P├╝nktlich zum herauskrabbeln aus dem Zelt, begann es zu regnen. Zum Gl├╝ck hatte ich das Zelt neben die ├╝berdachte Terasse aufgebaut und so konnte ich alles im trockenen zusammen packen. (Der Riss im Zelt hielt ├╝brigens dicht) Ich verabschiedete mich und machte mich wieder auf den Weg. Ich umrundete die Nordspitze des Comer Sees, die landschaftlich uninteressant war, und fuhr dann wieder am ├Âstlichen Ufer nach S├╝den. Ich passierte Colicio und ab Dorio wurde es auch wieder landschaftlich sch├Âner. Leider blieb mir aber die wahre Sch├Ânheit des Comer Sees durch das schlechte Wetter verborgen. Es regnete und regnete... In Borgo kaufte ich mir etwas zu Essen. Ich fuhr und fuhr fand aber nichts zum unterstellen und in den Tunnels wollte ich auch nicht unbedingt meine Mittagspause verbringen. In Varenna kaufte ich mir dann ein F├Ąhrticket um nach Bellagio ├╝berzusetzen. Die F├Ąhre fuhr zuerst nach Menaggio und dann nach Bellagio. Hier ging es ordentlich bergauf. Die Abfahrt war auf Grund des Regens und der recht schmalen Stra├če mit viel Verkehr auch kein Genu├č. Ich hatte m├Ąchtigen Hunger aber es wollte keine gescheite Gelegenheit kommen. Dann wurde zum Gl├╝ck der Regen schw├Ącher und so konnte ich in Onno unter B├Ąumen, direkt am See endlich meine Mittagspause machen. Die restlichen Kilometer bis nach Lecco vergingen wie im Flug, da ich wieder im Rekordtempo durch die Tunnels sauste. Einer der Tunnels war ziemlich lange, aber wenigstens regnete es hier drinne nicht ;-)
An Lecco fuhr ich nur vorbei, weiter Richtung S├╝den. In Garlate, das man ├╝ber eine sehr stark befahrene Stra├če erreicht wollte ich auf dem CP ├╝bernachten. Hier war so viel Verkehr, das ich ganze 7 Minuten warten musste, bis ich die Stra├če kreuzen konnte! Die Pforte des CP war verschlossen und dann sah ich das Schild. Der CP der laut Campingf├╝hrer ganzj├Ąhrig ge├Âffnet hatte, hatte einen Tag zuvor geschlossen! Auch das noch! Ich klingelte wie bl├Âd, aber keiner meldete sich. Gerade als ich wieder losfahren wollte kam doch noch der Besitzer. Dieser war sehr nett und erlaubte mir die eine Nacht auf dem CP zu ├╝bernachten. Er gab mir einen Radler Sonderrabatt und so zahlte ich 7ÔéČ incl. Dusche. Auch hier hatte ich wieder eine ├╝berdachte Sitzgelegenheit neben meinem Zelt.
Sp├Ąter kam noch ein deutsches P├Ąrchen mit Zelt. Die beiden waren mit dem Rucksack zu Fu├č unterwegs. Am Abend tranken wir noch ein Bierchen zusammen und schw├Ątzten ein wenig.
Am Abend zog ein kr├Ąftiger Nordwind auf und ich hoffte das dieser dei Wolken wegblasen w├╝rde.

9. Etappe: Garlate - Orio al Serio (Bergamo Flughafen) (55,1 km)

Der letzte Tag meiner Tour hatte wenig an H├Âhepunkten zu bieten. Ich bin gegen Mittag von Garlate aus losgefahren. Obwohl ich nur kleine Stra├čen um Bergamo herum, ausgew├Ąhlt hatte, war der Verkehr erdr├╝ckend. Anfangs war es noch recht bergig und pl├Âtzlich war es absolut flach. Der Weg f├╝hrte mich meist durch Industriegebiete oder Felder. Erw├Ąhnensswert war noch, das das Wetter heute wieder sehr sch├Ân war und ich meine kurze Hose dadurch doch nicht ganz umsonst mitgenommen hatte. Der Flughafen ist von S├╝den her gut mit dem Rad zu  erreichen. Probleme hatte ich nur mit der guten Frau am Check In, die unbedingt darauf bestand, das das Rad vom H├Ąnger, das nat├╝rlich schon komplett verpackt war, absolut luftleer sein sollte. Argumente halfen mir hier nicht weiter. Ich musste alles aufrei├čen und die Luft rauslassen. Danach schickte sie mich nochmals zur Durchleuchtung. Vertanden habe ich das alles bis heute nicht. Daf├╝r musste ich nichts f├╝r mein ├ťbergep├Ąck bezahlen und das war wiederum wichtiger als das Theater um die Luft. Immerhin hatte ich das doppelte an Gewicht dabei wie erlaubt!
Der Flug mit Ryanair nach Frankfurt/Hahn war wie gewohnt problemlos. In Frankfurt nahm ich dann mein Rad und H├Ąnger unversehrt entgegen.

Damit ging eine tolle Tour, mit sehr starken Eindr├╝cken, einer Menge neuer Erfahrungen und ein paar neuen pers├Ânlichen Bestleistungen zu Ende.

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©  Tobias Dick 01/2003